Walter Maderner | November 21, 2023

Klimaneutralität und soziale Verantwortung in der Post- und KEP-Branche im Jahr 2040

Das Jahr 2040 wird zu einem Meilenstein für die Post- und Kurier-, Express- und Paket-(KEP)Dienste. Die Mehrzahl der im GCI Whitepaper zu diesem Thema untersuchten Unternehmen geben an, bis 2040 die Klimaziele „Netto Null“ in Bezug auf die Treibhausgasemissionen erreicht zu haben. Die klimaneutrale Transformation des Sektors nimmt insbesondere durch die regulativen Bestimmungen der EU an Fahrt auf. Ausgehend von der seit 2020 in Kraft getretenen Taxonomie Verordnung müssen ab 2024 „große“ und börsennotierte, ab 2025 auch kleinere Unternehmen im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) umfassend quantitative und qualitative Nachhaltigkeitsziele definieren, und deren Erreichen über KPIs in den Lageberichten im Rahmen der Geschäftsberichterstattung darstellen. Die Nachhaltigkeitsziele umfassen neben der Reduktion der Treibhausgase auch die Aspekte Abfallvermeidung/Kreislaufwirtschaft und wichtige soziale Themen.

 

Die Herausforderungen für eine grüne Logistik

Der Verkehrs- und Transportsektor ist weltweit einer der Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen, verantwortlich für annähernd 22% der globalen Ausstöße – gemäß Daten IPCC, 2023. Die Post- und KEP-Dienste, die mit dem täglichen Leben und der Wirtschaft tief verwoben sind, haben an diesem Anteil. Zwischen 85 und 90% der Emissionen dieser Dienstleister entstehen durch Transportleistungen in den Line-Hauls (Hauptläufen) und der ersten/letzten Meile bei der Abholung bzw. Zustellung der Sendungen. Um eine erfolgreiche Transformation in Gang zu bringen, müssen die folgenden Herausforderungen gemeistert werden:

  • Scope 3 Emissionen und der Einfluss auf Frächter
    Der Großteil der Hauptläufe und der ersten/letzten Meile werden von Frachtunternehmen, die als Subauftragnehmer fungieren, durchgeführt und fallen somit in die Kategorie der Scope 3 Emissionen. Das bedeutet, dass Post-/KEP-Unternehmen ihre Subauftragnehmer motivieren müssen, ihre Flotten zu elektrifizieren.
  • Unsicherheit bei der Antriebstechnologie für LKW-Transporte
    Im Bereich der Hauptläufe, die auf der Straße über LKW-Transporte abgewickelt werden, hat sich noch keine endgültige Antriebstechnologie für klimaneutrale Transporte herauskristallisiert. Daher müssen Investitionen aktuell unter der gegenwärtigen technologischen Unsicherheit getätigt werden.
  • Nicht genügend Verfügbarkeit von synthetischen Flugzeugtreibstoffen
    Auch für alternative Treibstoffe, insbesondere Flugzeugtreibstoffe, gibt es noch keine Produktionsinfrastruktur, die die notwendigen Bedarfe abdecken würde. Wann und wie eine solche entstehen könnte, ist noch offen.
  • Anschaffungskosten für E-Fahrzeuge
    Derzeit sind die Anschaffungskosten für elektrische Fahrzeuge deutlich höher als die von Verbrennungsfahrzeugen. Dies führt in einem kostengetriebenen Geschäft wie dem der Post- und KEP-Dienste zunächst zu Margenverlusten.

 

Herausforderungen in sozialen Bereich

Die Post- und KEP-Branche ist eine Dienstleistungsbranche, deren Hauptwertschöpfung vom eigenen oder zugekauften Personal ausgeht. Auch in „asset leanen“ Geschäftsmodellen, bei denen wesentliche Teile der Wertschöpfung an Subauftragnehmer ausgelagert werden, überwiegt der Personalanteil der eingekauften Dienstleistung. Dies deshalb, weil in den Logistikzentren, bei den Transporten und in der Zustellung die autonome Robotik noch in der Versuchsphase steckt. Nach der Normalisierung in Folge der Covid-19-Pandemie zeichnen sich die folgenden Herausforderungen ab:

  • Wettbewerb mit anderen Branchen
    Aufgrund der demografischen Entwicklung in den Industriestaaten ist das Angebot an Arbeitskräften rückläufig. Das erhöht nicht nur den Automatisierungsdruck in den Operations, sondern stellt die Post-/KEP-Unternehmen erstmals vor die Herausforderung mit anderen Branchen in den Wettbewerb um Arbeitskräfte zu treten und eine Rolle als “Employer of Choice” einzunehmen.
  • Sicherheit und Arbeitsbedingungen
    Nach Covid-19 gewinnt das Thema „Sicherheit am Arbeitsplatz“ noch mehr an Bedeutung.  Neben dem Thema Unfallvermeidung rückt die Bewahrung der physischen und psychischen Gesundheit in den Fokus.
  • Erhöhung der Frauenquote
    In einem traditionell von Männern dominierten Berufsfeld streben die Unternehmen an, die Frauenquote, insbesondere solche in Managementpositionen, zu erhöhen und  diese aktiv zu fördern.
  • Lieferantenmanagement und Berichterstattung
    Neue Berichtspflichten wie das Lieferkettengesetz und die CSRD sowie erhöhte Anforderungen von Kunden und Geschäftspartnern implizieren, dass die Post- und KEP-Dienstleister sicherstellen müssen, dass ihre Lieferanten ethische, soziale und ökologische Standards einhalten, einschließlich der Achtung der Menschenrechte und fairer Arbeitsbedingungen. 

 

Ansätze und Maßnahmen zur Transformation der Geschäftsmodelle im ökologischen und sozialen Bereich

Post- und KEP-Unternehmen haben sich der Herausforderung der Klimaneutralität und Nachhaltigkeit gestellt. Fasst man die Aktionspläne der führenden Unternehmen im Sektor zusammen, entsteht ein recht vollständiges Bild der Ansatzpunkte, um die angestrebte Klimaneutralität und Nachhaltigkeit in den Unternehmen zu erreichen. Diese Maßnahmen unterscheiden sich im Grade, nicht jedoch dem Grunde nach zwischen den Unternehmen. Abhängig davon, ob ein Unternehmen “asset heavy” ist und beispielsweise Zusteller, Fahrer und Fahrzeuge in der eigenen Bilanz führt, werden die Emissionen im Scope 1 ausgewiesen, während “asset light” Unternehmen die Dienstleistungen zukaufen und diese Emissionen im Scope 3 verbuchen. Schwerpunkte sind:

  • effizientere Netze und weniger km pro Sendung
  • CO2 freie km
  • nachhaltige Produkte
  • grüne Immobilien
  • nachhaltige Supportfunktionen
  • nachhaltiges Abfallmanagement und Recycling

Ebenso haben die Post- und KEP-Dienstleister Maßnahmen im sozialen Bereich auf Schiene gebracht:

  • Strategien zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität
  • Verbesserung der Sicherheit und Arbeitsbedingungen
  • Förderung der Frauenquote, sowie Integration und Inklusion
  • Nachhaltiges Lieferantenmanagement
  • Arbeitsmarktanpassungen und demografische Strategien

Die Maßnahmen im Detail mit Beispielen beschrieben, finden Sie im kostenlosen Whitepaper.

 

Fazit

Die Post- und KEP-Branche muss sich auf eine Zeit intensiver Veränderung einstellen. Die Nutzung von Zeiträumen ohne Engpässe für den Fortschritt hin zu nachhaltigen Methoden ist entscheidend. Mit der richtigen Planung, Investition und der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Regierungen und dem Energiesektor kann das Ziel für 2040 erreicht werden. Eine frühzeitige und entschlossene Aktion ist der Schlüssel zum Erfolg.

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