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Working Capital Management: Im Spannungsfeld zwischen Liquidität und Rentabilität

An Working Capital braucht es so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Das ist ein simples Prinzip – seine Umsetzung war allerdings selten komplexer als heute. Denn Zinserhöhungen, die Disruption globaler Lieferketten und steigende Preise stellen das Working Capital Management aktuell vor enorme Herausforderungen. Eine Balance zwischen gebundenem Kapital und Liquidität zu finden, wird durch diese Unberechenbarkeiten zunehmend schwierig – und gleichzeitig immer relevanter. Darum haben wir hier die 4 wichtigsten Ansatzpunkte zur Optimierung des Working Capital Managements für Sie zusammengefasst.

Working Capital Management hat die undankbare Aufgabe, zunächst widersprüchliche Zielsetzungen zu vereinen: Einerseits sollen die Kapitalbindungskosten minimiert werden, andererseits müssen Verfügbarkeiten sichergestellt werden. Wer es schafft, das Tagesgeschäft mit ausreichend Kapital auszustatten ohne dabei die Wachstumsinitiativen des Unternehmens zu bremsen, hat viel gewonnen: An Rendite und zusätzlichen Ressourcen zur Expansion. Wo Sie dabei ansetzen, erzählen diese 4 Best Practices.

1. Hier zählt nicht nur der Moment

Die Qualität des Working Capital Managements lässt sich nicht anhand einer Momentaufnahme feststellen. Das liegt zum einen daran, dass Working Capital als Bestandsgröße ständig fluktuiert. Zum anderen werden meistens nur die am wenigsten repräsentativen Stichtage im Jahr betrachtet. Die Aussagekraft von Working Capital-Kennzahlen leidet nämlich darunter, dass kurz vor diesen Stichtagen oft sogenanntes „Firefighting” und „Window Dressing” betrieben wird. Im Versuch, Reportings aufzuhübschen, werden dann Maßnahmen – wie z.B. die extreme Reduktion von Lagerbeständen oder das Aufschieben eigener Zahlungsverpflichtungen – gesetzt, die massive negative Nachwirkungen in der Folgeperiode nach sich ziehen können. Professionelles und nachhaltiges Working Capital Management zieht deshalb Zeiträume anstatt Stichtage zur Betrachtung, Analyse und Ableitung von Zielen und Maßnahmen heran.

2. Klare Ziele setzen 

Um sicherzustellen, dass die Ressourcen im Sinne der Unternehmensstrategie eingesetzt werden, braucht es transparente und nachvollziehbare Ziele. Bereichsziele – wie im Working Capital Management – sollten im Einklang mit den übergreifenden Unternehmenszielen formuliert werden. Dabei gilt es vor allem zwei Faktoren zu beachten:

  • Oft ist das Denken bei der Zielformulierung stark in der Vergangenheit verhaftet. Dann wird z.B. die Reduktion des Lagerbestands der Vorperiode um einen bestimmten Prozentsatz als Ankerpunkt für die nächste Periode festgelegt. Dieses Vorgehen berücksichtigt jedoch weder künftige Veränderungen in den Rahmenbedingungen noch die aktuell vorhandenen Verbesserungspotenziale. Statt der Rasenmäher-Methode sollte daher die Zielableitung differenziert, faktenbasiert und potenzialorientert erfolgen.
  • Eine isolierte Betrachtung und Optimierung des Working Capital Bestandes führt oftmals zu betriebswirtschaftlichen Sub-Optima auf der Gesamtunternehmensebene. Wenn z.B. optimale Produktions-Losgrößen der Bestandsoptimierung geopfert werden, dann wird in Summe Wert vernichtet statt geschaffen. Working Capital Management ist daher nicht nur der eigenen Optimierung verpflichtet, sondern muss auch das große Ganze im Blick behalten.

3. Was wäre, wenn…?

Wer die Zukunft des eigenen Unternehmens aus verschiedenen Perspektiven betrachten will, fragt: Was wäre, wenn…? So kann die Qualität von Working Capital Strategien unter verschiedenen Szenarien geprüft werden. Dafür braucht es zunächst die relevanten Daten und die Möglichkeit, sie so zu modellieren, dass die „Was-wäre-wenn“-Frage hinreichend beantwortet werden kann. Das Ergebnis dieser Szenariobetrachtung erlaubt es Ihnen, unterschiedliche Strategien zu vergleichen und bildet eine solide Informationsgrundlage für strategische Entscheidungsmomente.

4. Daten nutzen und neues Wissen schaffen

Oft mangelt es im Working Capital Management nicht an Daten – aber an Wissen. In den meisten Unternehmen stehen Working Capital Manager*innen Unmengen an Informationen aus verschiedenen Quellen zur Verfügung: Zum Beispiel Lagerstandsberichte, Statistiken zur Zahlungsmoral der Kunden oder Auswertungen der eigenen Zahlungsverbindlichkeiten. Die Herausforderung liegt darin, diese Daten sinnvoll aufzubereiten, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu erkennen und daraus Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Nur so kann Working Capital faktenbasiert und zielgerichtet gesteuert werden. 

Die genannten Punkte klingen für Sie wie Binsenweisheiten? Tatsächlich ist professionelles Working Capital Management keine „Rocket Science”. Aus unserer Beratungserfahrung wissen wir jedoch: Die vermeintlich einfachen und sonnenklaren Ansätze auf die Straße zu bringen, ist kein leichtes Unterfangen.

Aktuelle Prozesse und Tools erlauben oftmals nicht die erforderlichen Einblicke und Herangehensweisen, die für eine nachhaltige Working Capital Optimierung notwendig sind. Darum haben wir mit „Working Capital Analytics 365“ ein Tool entwickelt, das unseren Kunden dabei hilft, Transparenz zu schaffen und konkrete Maßnahmen zu formulieren. Wenn Sie wissen möchten, wie Sie Working Capital Analytics 365 in Ihrem Unternehmen einsetzen können, informieren wir Sie gerne. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht oder Ihren Anruf! 

Die meisten Unternehmen unterschätzen den Ergebniseffekt eines professionellen Working Capital Managements. Gerade in Umbruchszeiten wie diesen kann es jedoch erfolgsentscheidend sein, die Optimierungspotenziale in diesem Bereich zu nutzen. Wer den Handlungsbedarf im eigenen Unternehmen bereits erkannt hat, kann sich im Guide „Working Capital Excellence” wertvolle Tipps holen. Wir stellen ihn unten als kostenlosen Download für Sie bereit.

Über den Autor

Philip Wolfsteiner

Manager, Wien